
Hülsenfrucht-Power in Reinkultur. Die Kichererbse ist ein wichtiger Bestandteil in der Familie der Hülsenfrüchte
Übersicht
Die Kichererbse ist eine der ältesten kultivierten Hülsenfrüchte und trägt liebevolle Spitznamen wie “Echte Kicher“, “Römische Kicher“, “Venuskicher” oder “Felderbse“.
Ihre Ursprünge reichen über 8000 Jahre zurück in den Vorderen Orient, wo sie erstmals als Nutzpflanze angebaut wurde.
Botanisch gesehen gehört die einjährige, krautige Pflanze zur Familie der Hülsenfrüchtler, ist aber trotz ihres Namens und erbsenähnlichen Form nicht näher mit der Erbse verwandt.
Kichererbsen werden heute vor allem in subtropischen Regionen wie Indien (fast 70 % der weltweiten Ernte), der Türkei, Mexiko, Nordafrika, Afghanistan, Australien und Spanien angebaut.
Wegen ihres geringen Wasserbedarfs und ihrer Fähigkeit, auch auf nährstoffärmeren Böden zu gedeihen, wird sie als nachhaltige Nahrungsquelle weltweit angebaut.
Kulinarisch hat sich die Kichererbse einen festen Platz in der internationalen Küche, vor allem in vegetarischen oder veganen Rezepturen, gesichert.
Hummus, Falafel oder auch moderne Kreationen ohne tierisches Eiweiß werden gerne mit dem festen Bestandteil rund um die Kichererbse konzipiert.
Nachfolgend werden die historischen Wurzeln, aktuelle Anbaumethoden und den vielfältigen kulinarischen Verwendungsmöglichkeiten dieser bemerkenswerten Hülsenfrucht vorgestellt.

Herkunft und Anbaugebiete
Die Kichererbse ist eine Kulturpflanze, deren Ursprünge bis in die antiken Regionen des Nahen Ostens zurückreichen, wo sie seit Jahrtausenden als Grundnahrungsmittel geschätzt wurde und ihren festen Platz in der Ernährung und Landwirtschaft hatte.
Heutzutage hat die Kichererbse wieder weltweit an Bedeutung gewonnen und wird in vielfältigen klimatischen Zonen angebaut.
Indien gehört mit einem Anbauanteil von fast 70 % zu den führenden Produzenten, während Länder des Nahen Ostens, Afrikas und Lateinamerikas ihren Teil zur globalen Produktion beitragen.
Auch in Europa gewinnt der Anbau zunehmend an Bedeutung.
In Südeuropa, insbesondere in Spanien, Italien und Griechenland, wird die Kichererbse in großem Stil kultiviert, da die klimatischen Bedingungen dort ideal für das Wachstum dieser anspruchslosen Hülsenfrucht sind. Darüber hinaus experimentieren auch Landwirte in osteuropäischen Ländern wie Rumänien mit der Kultivierung, um das Potenzial dieser Nahrungsquelle besser zu nutzen.
In Deutschland setzt man verstärkt auf den Anbau der Kichererbse, um den steigenden Bedarf an pflanzlichen Proteinen zu decken und nachhaltige Landwirtschaftskonzepte zu fördern. Dank moderner Anbautechniken und der Suche nach ertragreichen, klimafreundlichen Nutzpflanzen werden in verschiedenen Regionen, vor allem in wärmeren Landesteilen und experimentellen Agrarprojekten, bereits erste Erfolge erzielt.
Die Kichererbse erweist sich somit als zukunftsweisende Kulturpflanze, die sowohl traditionelle Ernährungssysteme als auch innovative agrarökologische Ansätze bereichert und das Potenzial hat, in ganz Europa eine immer wichtigere Rolle zu spielen.

Anbau und Ernte
Die Kichererbse ist eine anspruchslose Hülsenfrucht, die besonders gut in warmen, sonnigen Klimazonen mit durchlässigen Böden gedeiht.
Ihre einfache Kultivierung, hohe Lagerfähigkeit und ihr Nährstoffreichtum machen sie zu einer wertvollen Ressource sowohl für große Agrarbetriebe als auch für den heimischen Anbau.
Sie bevorzugt durchlässige, sandige oder leicht lehmige Böden, benötigt nur geringe Mengen Wasser, was sie zu einer idealen Pflanze für trockene Regionen macht, wo sie sich aufgrund der klimatischen Bedingungen etabliert hat.
Die Aussaat erfolgt typischerweise im Frühjahr, zwischen Mitte April und Ende Mai, sobald keine Frostgefahr mehr besteht.
Kichererbsen sind frostempfindlich und benötigen Temperaturen zwischen 10 und 30 °C für eine optimale Keimung und Entwicklung.
Während des Wachstums geht die Kichererbse eine Symbiose mit Stickstofffixierenden Bakterien ein, die sich an den Wurzeln ansiedeln und helfen, Stickstoff aus der Luft zu binden.
Dies verbessert nicht nur das Pflanzenwachstum, sondern trägt auch zur Fruchtbarkeit des Bodens bei.
Die Pflanze reift bis zu 120 Tagen in 3 cm großen, grünlichen Hülsen, mit je ein bis zwei Samen, bevor sie geerntet und anschließend an der Luft getrocknet wird.
Nach der Ernte sind die Samen bis zu fünf Jahre lang haltbar, wenn sie trocken und lichtgeschützt gelagert werden.
Für den heimischen Anbau eignen sich vor allem Sorten wie “Kabuli” und “Amethyst“, da sie an gemäßigte Klimazonen angepasst sind. Während die Kabuli-Sorte größere, helle Samen mit einer glatten Schale besitzt und mild im Geschmack ist, zeichnet sich die Amethyst-Sorte durch kleinere, beigefarbene Samen aus.
Beide Sorten sind pflegeleicht und bieten sich für den Anbau in Gärten oder in landwirtschaftlichen Versuchen zur Förderung nachhaltiger Anbausysteme an.
Nährwert und Inhaltsstoffe
Kichererbsen sind nicht nur kulinarisch vielseitig, sondern auch ernährungsphysiologisch äußerst wertvoll. Sie zeichnen sich durch einen hohen Gehalt an Proteinen, Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen aus, was sie besonders für vegetarische und vegane Ernährungsweisen attraktiv macht.
100 Gramm gekochte Kichererbsen enthalten durchschnittlich:
• Kalorien: 120 kcal
• Eiweiß: 7 g
• Fett: 2 g
• Kohlenhydrate: 17 g
• Ballaststoffe: 6 g
Diese Nährstoffzusammensetzung macht Kichererbsen zu einer hervorragenden pflanzlichen Proteinquelle. Sie enthalten alle essenziellen Aminosäuren, insbesondere Lysin und Threonin, die der Körper für den Aufbau von Proteinen benötigt und z.B. sehr gut fürs Muskelwachstum ist.
Dieser Aspekt ist besonders für Menschen wichtig, die auf tierische Produkte verzichten.
Darüber hinaus bietet der Verzehr von Kichererbsen viele gesundheitliche Vorteile
So fördert der hohe Ballaststoffgehalt die Darmgesundheit, indem er die Verdauung anregt.
Der Cholesterinspiegel und auch die Blutzuckerregulation im Blut kann gesenkt werden, was Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugt und für Diabetiker von Vorteil ist.
Zudem bewirken die langkettigen Kohlenhydrate in den Kichererbsen auch ein langanhaltendes Sättigungsgefühl und bewirken, dass wir keine Heißhungerattacken bekommen
Darüber hinaus können die enthaltenen Mineralstoffe wie Eisen, Kalzium und Magnesium für das Knochengerüst wertvoll sein.
Allerdings sollten Kichererbsen niemals roh verzehrt werden, da sie das giftige Phasin enthalten, welches erst durch ausreichendes Kochen zerstört wird.
Auch die wichtigen Spurenelemente wie Eisen, Zink, Magnesium und verschiedene Vitamine haben eine gesundheitsfördernde Wirkung. Dadurch wird die Immunfunktion stimuliert und auch die Herztätigkeit sowie entzündungshemmende Reaktionen bewirkt.
Kichererbsen-Sorten
Kichererbsen werden weltweit in verschiedenen Sorten angebaut und lassen sich mit ein wenig Pflege auch im heimischen Garten erfolgreich anbauen.
Obwohl ihr Name eine Verwandtschaft zu Erbsen suggeriert, sind Kichererbsen botanisch nicht mit ihnen verwandt.
Während Erbsen oft als Gemüse verzehrt werden, finden Kichererbsen in vielfältigen kulinarischen Anwendungen wie Hummus oder Falafel Verwendung.
Hauptsorten der Kichererbse:
1. Kabuli: Diese Sorte wird hauptsächlich im Mittelmeerraum, Nordafrika und Afghanistan kultiviert. Die Samen sind mittelgroß bis groß, hellbeige und haben eine dünne Schale. Ihr Geschmack ist mild und leicht nussig, weshalb sie in europäischen Supermärkten weit verbreitet ist.
2. Desi: Vorwiegend in Indien angebaut, zeichnen sich Desi-Kichererbsen durch kleine, dunkle bis schwarze Samen mit rauer Schale aus. Sie haben einen intensiveren Geschmack und werden oft zu Mehl verarbeitet, das in der indischen Küche vielseitige Verwendung findet.
3. Gulabi: Diese Sorte verfügt über kleine bis mittelgroße, glatte, beigefarbene Samen.
4. Amethyst: Charakteristisch für Amethyst-Kichererbsen sind ihre kleinen, beigefarbenen Samen.
Kichererbsen werden in der Regel nicht frisch gehandelt und sind bei uns getrocknet, in Konservendosen oder auch bereits in verarbeiteter Form erhältlich.
Getrocknete Kichererbsen müssen vor der Verarbeitung zumindest 12 Stunden in ausreichend Wasser (Verhältnis mindestens 1:2) eingeweicht werden.
Falls rohe Kichererbsen zu erwerben sind, ist wichtig zu wissen, dass diese im rohen Zustand nicht verzehrt werden können und sogar giftig sind.
Erst das Erhitzen auf mehr als 70 °C zersetzt die natürlichen Giftstoffe (Lektine) wie z.B. Phasin.

Verwendung in der Küche
Kichererbsen sind weltweit geschätzte Hülsenfrüchte, die in zahlreichen kulinarischen Traditionen eine bedeutende Rolle spielen.
Ihr leicht nussiger Geschmack und ihre Vielseitigkeit machen sie zu einer beliebten Zutat in verschiedenen Gerichten.
Kichererbsen sind in getrockneter Form oder vorgekocht in Dosen erhältlich.
Getrocknete Kichererbsen sollten vor dem Kochen 12 Stunden eingeweicht und anschließend bis zu zwei Stunden gekocht werden.
Vorgekochte Kichererbsen aus der Dose bieten eine zeitsparende Alternative und können direkt verwendet werden.
Kichererbsen werden in folgenden Küchen verwendet:
Europäische Küche:
Einige traditionelle Gerichte in Europa werden mit Kichererbsen hergestellt.
In Italien wird aus Kichererbsenmehl die Farinata gegessen, ein dünner Fladen, der mit Olivenöl und Rosmarin gebacken wird.
In Frankreich, besonders um die Region Nizza ist die Socca, ähnlich der Farinata, beliebt. Spanien kennt die Tortillitas de camarones, kleine Pfannkuchen aus Kichererbsenmehl und Garnelen. Zudem sind Kichererbsen, dort als “Garbanzos” bekannt, ein Hauptbestandteil des Cocido madrileño, eines traditionellen Eintopfs
Orientalische Küche:
In der orientalischen Küche sind Kichererbsen unverzichtbar. Hummus, eine cremige Paste aus pürierten Kichererbsen und Sesammus (Tahina), wird oft als Vorspeise mit Fladenbrot serviert. Falafel, knusprige, frittierte Bällchen aus Kichererbsenpüree, sind ein weiteres beliebtes Gericht, das häufig mit frischen Kräutern und Gewürzen verfeinert wird.
Indische Küche:
In Indien sind Kichererbsen und ihr Mehl, bekannt als Besan, zentrale Bestandteile vieler Rezepte.
Chana Masala, ein würziges Curry aus Kichererbsen, Tomaten und einer Mischung aus aromatischen Gewürzen, wird oft mit Reis oder Fladenbrot gereicht.
Pakoras, in Kichererbsenmehlteig getauchtes und frittiertes Gemüse, sind beliebte Snacks.
Besan wird auch für die Zubereitung von süßen Speisen wie Laddu verwendet, kleinen Kugeln aus Kichererbsenmehl und Zucker.
Moderne Küche:
In der veganen Küche findet das Kochwasser von Kichererbsen, bekannt als Aquafaba, als Eiweißersatz in Rezepten wie Mousse au Chocolat oder Baiser Verwendung.
Geröstete Kichererbsen dienen als gesunder Snack und sind eine Alternative zu Chips. Kichererbsenmehl wird zunehmend für glutenfreie Backwaren und Pasta genutzt.
Weitere Anwendungen:
Vorderasien und Nordafrika haben geröstete Kichererbsen als Snack, der auch in der Türkei als “Leblebi“mit doppelt gerösteten Kichererbsen bekannt ist.
In Tunesien gilt “Lablabi“, ein Eintopf aus Kichererbsen, Brot, Harissa und Gewürzen, als traditionelles Gericht,
während in Myanmar wird aus Kichererbsenmehl der “Shan-Tofu” hergestellt, eine sojafreie Tofu-Variante mit weicher Textur.
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